Drehleiertour – Teil 3

Ich sitze mit Beat bei einer Tasse Kaffee in dessen Küche, und auch Ulrike ist mittlerweile zuhause. Wir haben uns schon eine Weile unterhalten, und Beat hat mir eine seiner Leiern gezeigt, nämlich die, die er auch schon in Agatharied dabei hatte.

Beat rundet mein Bild ab. Eine seiner Aussagen ist mir immer wieder in den Kopf gekommen, und auch heute hat er das schon mindestens zweimal erwähnt: Drehleiern sind zu billig für den Aufwand, den ein Instrumentenbauer hat. Als ich ihm sage, was ich gerne alles an meiner Leier hätte, überschlägt er im Kopf schnell mal den Preis und kommt auf ca. 5.000 €. Ich verabschiede mich von dem Gedanken, für wenig Geld ein tolles Instrument zu bekommen – mein Budget war ursprünglich deutlich geringer angesetzt.
Jetzt komme ich ins Grübeln. Anfänger hin oder her, das Spielen und das Üben sollen Spaß machen; und ich weiß, dass ich ein Faible für diese Musik habe, und ich weiß auch, dass ich lieber jetzt ein gutes Instrument kaufe, als mich hinterher zu ärgern, dass irgendwas nicht passt, oder dass irgendetwas nicht möglich wäre.

Am Ende gibt Beat dadurch den Ausschlag, dass ich am Abend Guido in Freiburg anrufe und mit ihm alles fix mache. Tja, und nun ist sie da, meine wunderschöne, eingespielte GS (für die ich noch einen besseren Namen finden werde). Eine Woche habe ich sie, übe jeden Tag, und es macht richtig Spaß. Mittlerweile merke ich, wie komplex eine Drehleier ist und wie zickig (böses Wort für charakterlich flexibel) sie manchmal reagiert. Und trotzdem bin ich hin und weg, schraube an den Metallfähnchen, schnitze meinen ersten Chien und habe fest vor, meiner Leier in Schottland ein paar Schottentöne beizubringen – aber davon später.

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Zum Schluss noch eine kurze Zusammenstellung, wie sich meine Leier-Begehrlichkeiten in diesen Tagen entwickelt haben:

  • Drei Melodiesaiten: Ich liebe das Parallel-Organum!
  • Zwei Schnarren: Kann man unterschiedlich ansprechend einstellen und dadurch den musikalischen Ausdruck erweitern
  • Kapodaster: Ist mir schon im Kurs in Agatharied abgegangen – musste immer umstimmen
  • Metallfähnchen: Leichter und sauberer stimmbar, und im Anschlag, nun ja, metallischer
  • Tonabnehmer: Meine Frau möchte ja vielleicht doch irgendwann eine Sackpfeife

Gibt’s ein Fazit? Aber klar: diese Tour kann ich jedem empfehlen, der auf der Suche nach einem für ihn geeigneten Instrument ist. Nette Leute kennen lernen ist das eine, von den Erfahrungen der Experten zu profitieren, verschiedene Drehleiermodelle zu sehen, zu hören, und sein eigenes Wissen über dieses fantastische Instrument zu erweitern, ist das andere. Das einzige Manko meinerseits war, dass ich so gut wie nichts selbst spielen oder gar fachlich beurteilen konnte – ein Wochenende Agatharied war dafür zu wenig. So musste ich  mich auf mein Gehör und meine Menschenkenntnis verlassen.

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